
Seit September fallen im Berufsverkehr die 15-Minuten-Takte der S 5 weg.
Dies wird vorerst bis Februar 2011 so sein. Die Folge sind massive Störungen im Nahverkehr und restlos überfüllte Züge zu den Stoßzeiten. Grund genug um mit einer frühmorgendlichen Flugblattaktion die Bürger aufzufordern, ihren Unmut gegenüber der Deutschen Bahn auszudrücken und auf dringende Abhilfe zu drängen. Wie groß der Groll ist, zeigen Äußerungen der Berufspendler zwischen 7 und 8 Uhr am Bietigheimer Bahnhof: “wenn das so weiter geht, dann fahre ich wieder mit dem Auto.“ Oder: “ich bin gespannt wie lange mein Arbeitgeber die Verspätungen noch mit macht.“ Verschärft wird der Ton durch die anstehenden Preiserhöhungen. Viele Mitbürger haben auf Grund der guten Verkehrsanbindung Bietigheim-Bissingen als Wohnort gewählt und reagieren nun äußert verärgert.
Grund für die Verspätungen und Zugausfälle sind die Bauarbeiten für Stuttgart 21. Das ist bekannt, es ist aber kein Trost und schon gar keine Entschuldigung. Eine Besserung ist auch nicht in Sicht, denn die Bahn hat bislang noch nicht verraten, wie der Fahrplan nach dem Ausheben der Baugrube aussehen soll. Vollmundig wird den Bahn-Nutzern erklärt, dass mit Stuttgart 21 alles besser werden würde.
Die Frage ist, ob wir das überhaupt brauchen. Wir haben einen leistungsfähigen Nahverkehr und das Angebot wäre mit einer Expresslinie zum Flughafen und einem vollständigen integralen Taktfahrplan noch verbesserungsfähig. Dazu brauchen wir aber Stuttgart 21 nicht. Im Gegenteil, Stuttgart 21 schadet eher.
Durch das Milliardenprojekt Stuttgart 21 werden so genannte Regionalisierungs- und Nahverkehrsmittel des Bundes gebunden. Diese rund 400 Millionen Euro fehlen für andere Schienenvorhaben im Land, Stuttgart 21 verhindert einen besseren Bus- und Bahnverkehr in der Region.
Ebenso werfen der Stellwerksausfall und die Entgleisung der S-Bahn ein Licht auf das Chaos der Umbauarbeiten und lässt jeden Normalbürger zweifeln, ob diese überhaupt in der geplanten Dimension bewältigt werden können.
Ein Argument der Stuttgart 21 – Befürworter ist die „Magistrale Paris-Bratislava“. Tatsache ist, pro Jahr werden zwei bis drei Fahrkarten von Stuttgart nach Bratislava verkauft, und in Zeiten billiger Flugtickets ist unklar, ob überhaupt jemand in Zukunft von Paris nach Bratislava durchfahren will.