
„Von der Betreuungseinrichtung zur Bildungseinrichtung“ das ist die Unterüberschrift, eines schon etwas älteren Flyers der Stadt zum Thema „Arbeiten mit dem Infans-Konzept“.
Dieser Satz: „von der Betreuungseinrichtung zur Bildungseinrichtung“ zeigt ganz deutlich wohin der Weg geht: weg von der Kinderbetreuung der vergangenen Jahre, viel zu häufig und auch abwertend als „Kinderaufbewahrung“ bezeichnet, hin zu einer Bildungseinrichtung mit einem Bildungsauftrag, was aber nicht heißt, dass dies zu einer Verschulung im Kindergartenbereich führen darf.
Seit vielen Jahren wissen wir, welche Kapazitäten Kinder im Kleinkind- und Kindergartenalter haben, welche Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen sie entwickeln können, wenn dieses Potenzial gefördert wird. Dieses Potenzial aus den Kindern herauszuholen, ist die Aufgabe des „infans-Konzepts“, welches wir vor einiger Zeit beschlossen haben.
Zitat Flyer: „Das Handlungskonzept „infans“ stellt kein vollständiges ausgearbeitetes Konzept für pädagogisches Handeln in Tageseinrichtungen dar, sondern bietet eine Neuorientierung in der pädagogischen Arbeit im Vorschulbereich. Nach diesem Konzept müssen Erziehung und Bildung neu verstanden werden und in eine fruchtbare Beziehung zueinander gebracht werden.” Zitat Ende.
Bekanntlich stoßen oftmals Neuerungen auf Ablehnung oder Skepsis, sowohl bei Eltern als auch bei Erzieherinnen. Allem was neu und unbekannt ist, begegnen wir zunächst mit Misstrauen.
Meist laufen diese Neuerungen und Umstellungen auch nicht ohne Schwierigkeiten ab oder gar ganz lautlos von heute auf morgen. Es gibt Sand im Getriebe. Eltern und Erzieherinnen müssen sich von ausgetrampelten Pfaden verabschieden und neue Wege suchen. Wer Autofahren lernt, ist auch nicht nach der abgelegten Führerscheinprüfung perfekt, es gehört Übung dazu. Soviel Toleranz kann ein Fahranfänger erwarten, diese dürfen aber auch alle die erwarten, die sich auf Neuland begeben. Wir begrüßen es sehr, dass sich seit 2008 einige Kinderbetreuungseinrichtungen auf den Weg gemacht haben und 5 Einrichtungen aus den einzelnen Stadtteilen sich jetzt neu beworben haben. Nach Abschluss dieser Phase arbeiten beispielsweise alle Kindergärten im Stadtteil Buch nach dem Infans-Konzept.
Ob sich die Pädagogik bewährt, können wir sicher erst in einigen Jahren feststellen. Auch beim Laisser-faire Erziehungsstil hat man in der zweiten Generation gemerkt, dass er überarbeitet werden muss.
Einen breiten Raum in den Bildungseinrichtungen nimmt die musikalische Frühförderung ein. War dies in den zurückliegenden Jahren meist nur auf Privatinitiative der Eltern beruhend, übernimmt heute der Kindergarten zusammen mit der Musikschule diese Aufgabe. Eine musikalische Früherziehung fördert die Gehirnaktivität, führt zu stärkeren Vernetzungen im Gehirn, ist eine Voraussetzung für kreatives Handeln und durch das Gemeinschaftserleben wird das soziale und emotionale Empfinden gefördert.
Welchen breiten Raum die kindliche Frühförderung in unserer Gesellschaft einnimmt, zeigte sich deutlich auf der Bildungsmesse didacta im vergangenen Februar in Stuttgart: viele Veranstaltungen,
viele Messestände und
ein Ansturm von Erzieherinnen, die die Bildungsmesse didacta besucht und für ihre Weiterbildung genutzt haben.
Eltern dürfen aber sicher sein, das Wohl und eine gute Arbeit in den Kinderbildungseinrichtungen liegt und sehr am Herzen. Nach langen Jahren der wiederholten Forderung nach einer qualitätsorientierten Arbeit in den städtischen Kinderbetreuungseinrichtungen sind wir mit den in diesem umfangreichen Skript nun vorliegenden und beschriebenen Maßnahmen zufrieden und begrüßen ausdrücklich den eingeschlagenen Weg und das große Engagement der Erzieherinnen und der Fachberaterin Frau Pigisch.
Auch an der Höhe der bereitgestellten finanziellen Mittel sowohl im Investitionsbereich als auch bei den Betriebskosten, zeigt sich inzwischen ganz deutlich, welchen hohen Stellenwert die Bildungseinrichtung Kindergarten einnimmt.
Einen Wunsch habe ich schon noch, wohl wissend, dass dieser nicht nur allein in Bietigheim –Bissingen und sehr schnell lösbar ist: In einer zunehmend vaterlosen Gesellschaft würden wir es als eine Bereicherung ansehen, wenn sich Männer auch in den Erzieherberuf wagen würden. Vielleicht ist der erste Weg dorthin die Umbenennung von „Betreuungseinrichtung“ in „Bildungseinrichtung“.
Die GAL stimmt der Beschlussvorlage zu.