Was passiert im Gemeinderat?
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Stillstand?

Albrecht Kurz

Stillstand?

Kein Tag, an dem nicht in der Bietigheimer Zeitung über angeblichen Dauer-Stillstand im städtischen Verkehr und in der Verkehrspolitik berichtet wird. Vor kurzem klagte auch CDU-Gemeinderat Thomas Wiesbauer an dieser Stelle,

es ändere sich nichts an der Verkehrssituation, er wolle jetzt endlich die grundlegende Verbesserung.

Ich empfehle ihm, doch mal über den Rand der Limousine hinaus zu schauen.
Zum einen: Es wurden an vielen Stellen Verbesserungen im städtischen Straßennetz ausgeführt: Die nicht ganz billigen Verlängerungen der Abbiegespuren auf der Mühlwiesen- und Auwiesenbrücke sind wohl schon wieder vergessen. Und eine Verbesserung der Ampelsteuerungen für 160.000 € ist ja auch nicht nichts.
Zum anderen: Wir haben im Gemeinderat die Erstellung eines Verkehrskonzeptes beschlossen und dafür dieses Jahr ein Büro ausgewählt und beauftragt, das jetzt die Arbeit aufgenommen hat. Allerdings ein Verkehrskonzept, das nicht vor allem den Ausbau des Straßennetzes untersuchen, sondern die anderen Fortbewegungsarten Bus, Rad oder zu Fuß gehen berücksichtigen soll. Auto-Verkehrsgutachten haben wir in den letzten Jahre genug bekommen.
Aber die Baumaßnahmen sind ja „kosmetische“ Verbesserungen und beim Gutachten wird eh’ nichts herauskommen, so das Fazit schon jetzt. Nein,  Herr Wiesbauer will jetzt die grundlegende Verbesserung! Alles klar? - In keinster Weise, denn wie die aussehen soll, darüber schweigt er sich in seiner Kolumne aus.
Heißt das jetzt, nach dem bald geschlossenen Gewerbegebietsgürtel rund um die Stadt noch der großräumigen Umgehungs­straßenring? (Da können wir doch gleich wieder das Hinterleitner-Verkehrsgutachten aus dem Jahre 1965 aus den Schubladen hervorziehen.)
Nein, mit neuen Straßen werden wir unsere Verkehrsprobleme nicht lösen. Wir werden dies weder finanzieren noch ökologisch vertreten können. Und sie wären angesichts der Planungshorizonte sicher auch keine schnelle Lösung.
Aber stellen neue Straßen angesichts des Wandels in der Gesellschaft überhaupt eine Lösung dar?
Es zeichnet sich der Trend ab, dass für junge Menschen das Auto nicht mehr den hohen Stellenwert einnimmt. sondern die Mobilität: mit dem Auto, aber auch mit den Angeboten des Umweltverbundes ÖPNV und Rad. Und es gibt doch zu denken, wenn der Gutachter für den Einzelhandel aufgrund der Altersentwicklung unserer Gesellschaft für die Einkaufsmärkte der Zukunft die gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr als ein entscheidendes Kriterium ansieht.
Was wollen wir? Von A nach B kommen oder Auto fahren.
An den Staus kommen wir nur vorbei mit Ausbau des ÖPNVs, mit Busspuren und mit Förderung des Radverkehrs. Und hier ist noch reichlich Potential vorhanden, das noch nicht ausgeschöpft wurde. Bei rund 15 Millionen Berufstätigen in Deutschland liegt die Arbeitsstätte nicht weiter als 10 Kilometer von zuhause entfernt, 1,2 Millionen davon nehmen das Fahrrad. Mit den inzwischen alltagstauglichen Pedelecs ist diese Distanz ohne große Anstrengung zu bewältigen.
Setzen wir doch hier die begrenzten finanziellen Mittel und die vorhandenen Verkehrsflächen ein, für eine bestmögliche und umweltverträgliche Mobilität!