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Der Biomüll, die Stadt und der Gestank

Axel Armbruster

Der Biomüll, die Stadt und der Gestank

Rund 10.000 km hatte die Ananas aus Costa Rica zurückgelegt – um einige Tage als dekorative Zierde in der heimischen Obstschale zu verbringen. Leider ein wenig zulange: Essen wollte sie dann keiner mehr, also weg damit in die Biotonne!

Schon bemerkenswert dass Bioabfall ganz viel mit unseren täglichen Angewohnheiten zu tun hat. Große Anteile des Inhaltes von Biotonnen bestehen aus Essensresten und abgelaufenen Lebensmitteln – ein Wohlstandsproblem! Aber gerade der Landkreis Ludwigsburg, kommt der erst seit diesem Jahr bestehenden gesetzlichen Verpflichtung eine Biotonne anzubieten, schon seit 1996 nach. Bisher wurden diese Bioabfälle diskret in anderen Landkreisen nur zu Kompost verarbeitet. Da ist es doch eine gute Sache diese Bioabfälle auch energetisch zu verwerten und nicht nur zu kompostieren. Mit der im Landkreis anfallenden Bioabfallmenge ließe sich soviel CO2 einsparen als wäre rechnerisch  jedes fünfte Haus in Bietigheim-Bissingen mit einem Vollwärmeschutz zu versehen, das ist nicht wenig.
Allerdings ist der Bau einer solchen Biogut-Vergärungsanlage alles andere als unproblematisch. Sie benötigt viel Platz, ist alles andere als eine Zierde in der Landschaft, produziert Lieferverkehr und stößt mit Recht auf besorgte Fragen der Bürger.
Andererseits ist eine solche Anlage dort am sinnvollsten wo das entstehende Gas in Kraft-Wärmekopplungsanlagen verwertet wird. Dies ist vor allem im Umfeld größerer Städte der Fall. Viele Sorgen gibt es wegen möglicher Geruchsbelästigungen durch eine Vergärungsanlage, aber grade bei diesem Punkt hört man bei schon vorhandenen Anlagen wenig von Problemen. Immerhin befindet sich z.b. in Freiburg schon seit Jahren eine Vergärungsanlage in unmittelbarer Nähe zweier Schnellrestaurants. Schwieriger dürfte da schon sein einen Platz zu finden wo so ein Industriebau landschaftsschonend platziert werden kann, der dann auch noch idealerweise dort ist wo man keinen Lieferverkehr über Feldwege produziert. Auch werfen die anfallenden Gärreste Fragen über Rückstände von Plastikabfällen auf, die letztlich auf dem Acker landen – dies ist aber auch schon beim jetzt produzierten Kompost der Fall. Hier könnte ein überfälliges Verbot von Plastiktüten schon helfen.
Wichtig ist dass das Prüfverfahren für einen etwaigen Bau der Anlage transparent für alle Bürger durchgeführt wird.
Ganz vermeiden lässt sich der Anfall von Bioabfällen – pardon – Biowertstoffen – nicht.
Es ist aber nicht sinnvoll mit einer Ananas am Schluss Biogas zu produzieren, dies ist letztlich die Verantwortung jedes Einzelnen – das wird keine Verordnung je regeln können.

Axel Armbruster