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Baumfrevel ?

Axel Armbruster

Baumfrevel ?
„Wie kann man da nur Holz einschlagen – das verscheucht ja das ganze Wild“ – schon 1954 sah sich der Filmförster vom Silberwald herber Kritik ausgesetzt.
Mit Baumfällarbeiten machten sich die Förster seit jeher nicht gerade beliebt. Gerade in diesem Winter waren nicht nur in Bietigheim die Lokalnachrichten mit Leserbriefen und Protesten gespickt, in denen z.b. der „Kahlschlag an Metter und Brandhalde“ angeprangert wurde. Dabei könnte es so schön sein: Unter sehr naturnahen Bedingungen, und nur mit wenigen menschlichen Eingriffen wird mit Holz ein absolut nachhaltiges Produkt erzeugt, mit dem Häuser und Möbel gebaut werden können. Dazu fällt noch ein CO2 - neutraler Energieträger an – und das bei vergleichsweise geringen Transportentfernungen. Mit Bäumen sind halt seit jeher Emotionen verbunden, schließlich braucht es Jahrzehnte bis ein Baum wieder nachgewachsen ist. Dazu kommen noch durch den Holzeinschlag verdreckte Wege und herumliegendes Reisig. Holz wird eben nicht in einer Fabrikhalle produziert, sondern dort wo sich der Mensch auch in seiner Freizeit erholt.
Verständlich der Wunsch, die Forstwirtschaft einzustellen und das Holz eben woanders herzuholen. „Woanders“ ist aber leider meist dort wo die strengen deutschen Forstgesetze nicht gelten, wo keine Naturschutzverbände Einfluss auf die Art der Waldbewirtschaftung nehmen, wo es keine Konzepte für den Artenschutz braucht. Jeder Festmeter Holz, der in heimischen Wäldern produziert wird, schont die Ressourcen unseres Planeten, minimiert Transportwege und Energieeinsatz - auch wenn das für wenige Tage zu Beeinträchtigungen im Wald führt. Vielleicht waren im Heimatfilm die Burschen schneidiger und die Schädel noch härter: Das Thema Verkehrssicherung war 1954 noch kein großes Thema. Heute stellt die Sicherheit von Anwohnern und Strassennutzern, grade im Verdichtungsraum, hohe Anforderung an die Standsicherheit von Bäumen. Verschärft wird die Situation durch das neu auftretende Eschentriebsterben, das die grade an Neckar und Enz häufige Esche bedroht und Wurzelschäden verursachen kann. Das häufige Unterschreiten des Waldabstandes von 30 m nach der Landesbauordnung hilft da auch nicht gerade, ebenso wenig wie die Angriffe auf die Verantwortlichen für die Verkehrssicherheit. Im Aufeinandertreffen von Bäumen und Mensch ziehen die Bäume im Zweifelsfall den Kürzeren – bedauerlich! Allerdings kann sich die Natur immer wieder selbst erneuern, solange sie nicht bebaut wird, wie das auch heute im Landkreis alljährlich geschieht. Natürlich wurde wenigstens Silberwald „gerettet“ - die Gemeinde hat einfach neue Kredite aufgenommen, statt Holz zu verkaufen – natürlich nur im Film !

Axel Armbruster