Was passiert im Gemeinderat?
Die GAL macht sich stark für viele Themen. Innenstadtbelebung, Kinderbetreuung, Buslinienverkehr, Umwelt, Lärmverminderung, Radwegenetz rund um Bietigheim-Bissingen, Spielplätze, Landschaftspflege...
Zurück

Das störende Mahnmal

Axel Armbruster

Das störende Mahnmal
Als ich zum ersten Mal den Entwurf von Frau Focke - Levin für ein Zwangsarbeitermahnmal im Laiernwald sah, war ich zugegebenermaßen irritiert.
Ein Mahnmal für Opfer aus der des Nationalsozialismus - brauchen wir da nicht Betonstelen, Bronzeskulpturen,  gusseiserne Gedenkplatten, alte Eisenbahnwaggons oder grauen Schotter ? Ist es möglich, Kunst mit den dunkelsten Kapiteln der deutschen Geschichte in Verbindung zu bringen? Ist es den Opfern angemessen, mit alltäglichen Objekten , Uhren, Wegweisern die ins Nirgendwo führen, zu gedenken? Ein Entwurf der Fragen aufwirft, der irritiert -  der beim Betrachter zu Unbehagen führt, der verstört. Subtil und ohne plakative Schreckensbilder, drängt er sich ins Sichtfeld der Passanten, vermischt scheinbar Banales wie Straßenmarkierungen, mit dem Verlauf von Stacheldrahtverhauen. Wartende an der Bushaltestelle sehen die Uhrzeit rückwärts laufen – verlorene Zeit? Wegweiser ohne Aufschriften – wohin? Wer sich mit den Dokumenten über die Lebensumstände der Menschen im Lager beschäftigt, wird von Übelkeit befallen – zu entsetzlich ist das, was Menschen andern Menschen antun können. So etwas kann niemals endgültig aufgearbeitet und wegsortiert sein, als Fußnote einer längst vergangenen Zeit. Sollte es aber nicht Aufgabe eines Mahnmals sein, die Brücke zu schlagen zwischen der Vergangenheit und der Zukunft ?  Ein Mahnmal allein kann das nicht – das können nur Menschen, Menschen die diskutieren, die sich austauschen, die eine Meinung haben .
Und genau das schafft der Vorliegende Entwurf: Das ist kein geeignetes Objekt für die abschließende Aufarbeitung der Zwangsarbeiter in Bietigheim -  das Mahnmal wird zu Diskussionen führen. Hier wird jeder zu einer Meinung gedrängt, werden sich viele Betrachter mit dem Mahnmal auseinandersetzen müssen. Ein Entwurf der so auch letztlich mich überzeugt hat : Hier gelingt der Spagat zwischen Vergangenheit und Gegenwart, wird die Diskussion lebendig gehalten – hier wird nichts vergessen und abgeschlossen. Hier werden Fragen gestellt, die Antworten beim Betrachter suchen – möge sich jeder damit auseinandersetzen.
Axel Armbruster