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Ein Erbe, das verpflichtet

Axel Armbruster

Ein Erbe, das verpflichtet
Rathäuser sínd seit jeher der Mittelpunkt eines Ortes, Bissingen hat sogar gleich zwei davon vorzuweisen, beide sind als bedeutsame Zeugen ihrer Zeit denkmalgeschützt.

Gleichwohl sind beide Gebäude eher spröde Schönheiten, das neue Rathaus am Marktplatz gilt dem oberflächlichem Betrachter als wüster Betonklotz, mit dem liebevollen Spitznamen „Blauer Bock“.
Das alte Rathaus in der Flößerstraße präsentiert sich mit verhüllter Giebelfront als angeschlagener Zeitzeuge, an dem der Zahn der Zeit kräftig zugebissen hat. Angesichts der maroden Bausubstanz des alten Rathauses gab es schon Stimmen das Gemäuer einzuebnen und etwa durch ein Mehrfamilienhaus zu ersetzen. Kein Zweifel, wer die freigelegte Giebelwand gesehen hat, dem war auch als Laie klar: Es wird Geld kosten das morsche Gebälk vor dem Verfall zu retten. Geld das wahrscheinlich unter harten wirtschaftlichen Gesichtspunkten mehr in Sachen Bauen bewegen könnte. Andererseits prangt am Erdgeschoss die Zahl 1597 – eine Zahl die verpflichtet. Das Haus hat so Einiges überstanden: Den 30 jährigen Krieg, Franzoseneinfälle, zwei Weltkriege, diverse Überschwemmungen und sogar die Modernisierungswut der 70´er Jahre – das Rathaus wurde an anderer Stelle neugebaut.  Da darf es nicht sein, in Zeiten des Wohlstandes so ein Gebäude aufzugeben. Trotz aller Widrigkeiten hat sich so die Stadt entschlossen das Gebäude zu retten.
Der Umgang mit historischer Bausubstanz ist für jeden Besitzer nicht immer einfach, oft muss viel Geld in die Hand genommen werden.
Aber auch Leidenschaft ist gefragt um das Gedächtnis einer Stadt, nicht nur bei Rathäusern, zu erhalten.
Inzwischen wurde das Rathaus an die Bietigheimer Wohnbau übergeben: Die soll den Job machen, immerhin kann diese Sanierungsmittel des Landes beantragen – eine gute Sache.
Zwei Jahre wird es wohl dauern das Gebäude zu retten und  in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Vielleicht ist ja auch noch die Restaurierung der alten Brunnenanlage vor dem Rathaus „drin“ – Reste sind ja noch vorhanden. Die GAL – Fraktion wird sich jedenfalls für die Auferstehung des historischen Wasserspenders einsetzen.

Axel Armbruster