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Die GAL macht sich stark für viele Themen. Innenstadtbelebung, Kinderbetreuung, Buslinienverkehr, Umwelt, Lärmverminderung, Radwegenetz rund um Bietigheim-Bissingen, Spielplätze, Landschaftspflege...
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Landschaft in Gefahr

Axel Armbruster

Landschaft in Gefahr
Als ganz selbstverständlich kennen wir die terassierten Weinberge im Landkreis, die unsere Region doch so symbolhaft prägen, und die  in keinem Fremdenverkehrsprospekt in Württemberg fehlen dürfen.
Für die meisten Bürger des Landkreises bietet die Aussicht auf Fachwerkstädtchen, die von steilen Weinbergen und ihren Mäuerchen umgeben sind, eben
einen schönen Anblick. Geradezu Sinnbild für einen harmonischen Raum der viel Lebensqualität bietet. Wer aber schon Gelegenheit hatte im „Wengert“ zu arbeiten, und z.b. als Buttenträger die schwere Last über holprige Stäffele zu Tal zu tragen, weiß wie mühsam die Arbeit in der Steillage ist. So müssen beispielsweise für den Bau eines Quadratmeters Trockenmauer etwa eine Tonne Steine, meist von Hand bewegt werden.
Von der Launigkeit Zuckmayers Komödie „Fröhlicher Weinberg“ bleibt dann nicht mehr viel übrig. Allzu verständlich wenn insbesondere mit den neuen Anbauregeln im Weinbau, immer mehr Anbauflächen in die ebenen, mit Maschinen befahrbaren Lagen, verlagert werden. Die aus Millionen Steinen über viele Generationen errichteten Trockenmauern sind aber nicht nur ein Kulturgut, sondern bieten auch Lebensraum und letzten Rückzugsraum für Eidechsen und Insekten. Entfällt die Bewirtschaftung der Rebzeilen, verwildern die Terrassen in kürzester Zeit und durchziehen wie Narben die noch gepflegten Rebflächen. Dies ist auch in Bietigheim leider schon deutlich an etlichen Stellen zu sehen. Wenn dieser unerfreulichen Entwicklung Einhalt geboten werden soll, bedarf es Unterstützung der Winzer um die aufwendige Arbeit beim Erhalt der Terrassen zu fördern. Daher ist es gut, wenn die Stadt Bietigheim-Bissingen die Förderung speziell für die Erneuerung der Trockenmauern deutlich erhöht. Ich hoffe es trägt dazu bei, die Steillagen als einmaliges Kulturgut zu erhalten. Der Weinbau ist im Wandel, neue Herausforderungen bringen Klimawandel und der schwierigere Pflanzenschutz. Mit Geld allein werden die Steillagen nur schwer zu erhalten sein, gefordert sind immer noch die Begeisterung und der Enthusiasmus der Wengerter für ihren Wengert – nur so kann es gelingen.

Axel Armbruster